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Maßnahmen

Den Landwirten wurde bis 2014 eine speziell zusammengestellte Saatgutmischung (s. Tab. 1)    kostenlos zur Verfügung gestellt. Als Gegenleistung verpflichteten sich die Landwirte in einem Vertrag zur rebhuhngerechten Bewirtschaftung der Blühstreifen. Diese sieht vor, die Einsaat frühzeitig im Jahr vorzunehmen (bis spätestens Mitte April), den Aufwuchs über den Winter stehen zu lassen und einen Teil jeder Fläche mehrjährig als Blühstreifen zu kultivieren. Das Nebeneinander von entwickelter, mehrjähriger Vegetation und noch lückiger, einjähriger ergibt entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen (v.a. der Küken) nach nahrungsreicher Vegetation oder warmem und trockenem Mikroklima die jeweils geeignete Vegetationsstruktur. Diese Form der Bewirtschaftung erfordert Absprachen mit den bewilligenden Behörden.

 

Die Vertragsdauer für die rebhuhngerechte Bewirtschaftung betrug eins bis drei Jahre (entsprechend der Verfügbarkeit der finanziellen Mittel, die über Stiftungen, private Vereine angeworben wurden). Diese Maßnahme wurde vom Land Niedersachsen und der EU im Rahmen eines Feldvogel-Projektes im LK Göttingen finanziert.

 

Aktuell können alle Landwirte in Niedersachsen/Bremen an der neuen Agrarumweltmaßnahme „Strukturreiche Blühstreifen“ - BS12 teilnehmen. Diese Maßnahme wurde im Landkreis Göttingen mehrere Jahre erfolgreich erprobt und schafft geeignete  neue Lebensräume für die Rebhühner.

 

Saatgutmischung

Die Saatgutmischung wird einerseits der NAU-Richtlinie gerecht und ist andererseits so zusammengestellt, dass sich Vegetationsbestände entwickeln, die vor allem für die Kükenaufzucht geeignet sind. Die Küken benötigen einen insektenreichen Vegetationsbestand, der nach nächtlichem Taufall und nach Regen sehr schnell wieder abtrocknet und besonnte Abschnitte aufweist, also ausreichend lückig ist. Wir haben daher den Anteil stark deckender Kräuter gering gehalten. Senf, Ölrettich und Phacelia sind jeweils nur in wenigen Gewichtsprozenten vorhanden. Um für die Küken Lauffreiheit zu schaffen, fehlen Arten, die am Boden eine starke Deckung erreichen, wie Rotklee und Gräser. Der hohe Anteil an schwachwüchsigem Lein und die relativ geringe Aussaatstärke von 7 kg/ha ergeben auf vielen Flächen einen ausreichend lückigen Vegetationsbestand, der stufig aufgebaut ist und sich aus zahlreichen Arten zusammensetzt. In vielen üblichen Mischungen dominieren meist wenige Arten und am Boden entstehen sehr schattige Verhältnisse.

 

Da ein Teil der Blühstreifen zwei- oder mehrjährig belassen werden soll, enthält unsere Mischung zwei- oder mehrjährige Wildarten (aus Herkünften der Region), die in den Folgejahren den Blühaspekt sichern.

 

Tab. 1: Zusammensetzung der Saatgutmischung für die Blühstreifen 2007

 

Modifizierte Bewirtschaftung der Blühstreifen

Die NAU-Richtlinie ist nicht optimal, um Habitate für Rebhühner zu schaffen. Daher wurden die in Tab. 2 beschriebenen Modifikationen für eine rebhuhngerechte Bewirtschaftung der Blühstreifen vorgesehen.

 

Tab. 2: Im Zusatzvertrag vereinbarte Modifikationen zur rebhuhngerechten Bewirtschaftung der Blühstreifen im Vergleich zur NAU-Richtlinie.

 

Werbung und Beratung von Landwirten

Die Landwirte gehören als Bewirtschafter der Blühstreifen zu den wichtigsten Akteuren eines solchen Projektes. Meist sind neue Agrarumweltmaßnahmen noch überwiegend unbekannt oder es besteht grundsätzlich eine Unsicherheit, sich auf solche Maßnahmen einzulassen, hauptsächlich wegen der Angst vor möglichen Sanktionen. Die Naturschutzberatung bietet hier einen guten Ansatz, die Landwirte über Inhalt und Zweck der Maßnahmen zu informieren, aber auch Hilfestellung bei den Formalitäten zu geben.

 

Im Rahmen dieses Projektes wurden weit über 100 Landwirte, Jäger und Privatpersonen beraten. In enger Kooperation mit der zuständigen Landwirtschaftskammer wurde für verbindliche Informationen bezüglich der rechtlichen Grundlagen gesorgt. Neben allgemeinen Informationsveranstaltungen zeigte sich aber auch der besondere Bedarf an Einzelgesprächen. Eine Naturschutzberatung wird von den Landwirten ausdrücklich gewünscht.

 

Biotopverbund

Die letzten Rebhuhnvorkommen im Landkreis Göttingen zerfallen in mehrere Lokalpopulationen, die voneinander weitgehend isoliert sind. Erst durch ein Zusammenwachsen dieser Teilpopulationen kann eine Populationsgröße erreicht werden, die der Art eine langfristige Überlebenschance in der Region ermöglicht. Die Lage der Blühstreifen als zusätzliche Habitatfläche wurde von uns nur insofern optimiert, als dass wir die Landwirte in den Gebieten mit Rebhuhnvorkommen besonders intensiv beraten haben. Die Blühstreifen alleine ergeben keinen optimalen Verbund der vorhandenen und neu geschaffenen Lebensräume.

 

Durch einen Biotopverbund mittels gezielt platzierter Blühflächen soll für eine Vernetzung der verbleibenden Restvorkommen und der neu entstandenen Habitatflächen gesorgt werden. Mit jeder Fläche soll zumindest ein geeignetes Rebhuhnrevier geschaffen werden, das den Kontakt zu benachbarten (besetzten oder noch unbesetzten) Revieren herstellt.

 

Dabei sollen Lücken zwischen den Vorkommen so geschlossen werden, dass geeignete Habitate in geringem Abstand zueinander liegen. Weiterhin gibt es Bereiche mit einer hohen Dichte an Blühstreifen, die zurzeit noch von bestehenden Rebhuhnvorkommen durch eine ausgeräumte Landschaft getrennt sind. Andere lokale Rebhuhnvorkommen (besonders im Westen des Landkreises) sind bereits ausgestorben, weil sie wahrscheinlich zu klein waren und ihnen der Kontakt zu anderen Teilpopulationen fehlte. Mit einer gezielten Platzierung von weiteren Aufwertungsflächen soll dieser Missstand behoben und ein Biotopverbund geschaffen werden.

 

Dazu werden in individuellen Absprachen mit den Landwirten günstig gelegene Ackerflächen (auch ganze Schläge) in

rebhuhngerechte Blühflächen überführt. Stilllegungsflächen sind in der Landschaft kaum noch zu finden.

 

Für eine rebhuhngerechte Bewirtschaftung der Ackerfläche  erhält der Landwirt 540,- € bis 675 €/ha pro Vegetationsperiode. 2011 beteiligen sich 16 Landwirte am Biotopverbund mit knapp 36 ha rebhuhngerecht bewirtschafteten Ackerflächen, zusätzlich zu den bereits bestehenden NAU-Blühstreifen.  Die Verträge wurden entsprechend der Verfügbarkeit der finanziellen Mittel für eins bis zwei  Jahre abgeschlossen. Der Biotopverbund soll in den kommenden Jahren je nach verfügbaren Finanzmitteln weiter ausgebaut werden. Das Ziel sind z. Zt. 50 ha zusätzliche Aufwertungsflächen.

 

Die Flächen des Biotopverbundes werden im ersten Jahr nach der Ernte als Stoppelbrache liegengelassen. Im folgenden Frühjahr werden sie mit einer geeigneten, artenreichen Saatgutmischung eingesät und rebhuhngerecht bewirtschaftet. Die Art der Bewirtschaftung wird an die Bewirtschaftung der NAU-Blühstreifen angelehnt.

 

Mit den rebhuhngerechten Ackerflächen sind wir nicht an die NAU-Richtlinie gebunden und haben daher die Bewirtschaftung in den Verträgen leicht abweichend festgelegt: Die Landwirte sollen bei der Aussaat Lücken lassen, also Flecken oder Streifen nicht besäen, um die Heterogenität der Vegetation zu erhöhen. Alljährlich im April wird die Hälfte der Fläche umgebrochen und neu eingesät, auf der anderen Hälfte bleibt die vorjährige Vegetation als Deckung zur Zeit der Revierbesetzung und Brut erhalten.

 

                                                              

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Rebhuhn.