- Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen

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Rebhühner füttern
Ist der Winter eine Notzeit für die Tiere? Tatsächlich geht vielen samenfressenden Vögeln zum Ende des Winters in den Feldern die Nahrung aus (z. B. SIRIWARDENA et al. 2007). Rebhühner können aber anders als Sperlinge, Finken, Lerchen und Ammern im Winter überwiegend Blätter fressen. Die Spitzen von den Wintergetreidepflanzen und Rapsblätter bieten in schneearmen Wintern eine überall zugängliche Kost. Raps ist besonders beliebt, da er im Winter etwas mehr Deckung bietet als Getreide. In früheren Zeiten, als es noch mehr Unkräuter und Stoppelbrachen gab, hatten die Rebhühner sicher mehr Auswahl durch ein reicheres Angebot an Sämereien. Aber selbst sehr alte Studien zur Ernährung der Rebhühner zeigen, dass sie damals im Monat Januar zu 99 % von Blättern gelebt haben (OKO 1963). Vom physiologischen Standpunkt ist das Rebhuhn nicht auf zusätzliches Körnerfutter im Winter angewiesen (ORLOWSKI et al. 2011), auch wenn es diese kalorienreiche Beikost schätzt. Die Autoren stellen fest: fehlende Winternahrung ist kein Faktor, der den Rebhuhnbestand limitiert.

Jedoch wird bei hoher Schneelage die Nahrungsaufnahme riskant: die Hühner müssen die Deckung verlassen und scharren auf den Feldern unter dem Schnee nach Blättern der Feldfrüchte. Im Schnee sind sie mit ihrem braunen Federkleid gut zu sehen. Je weniger Zeit sie außerhalb der Deckung mit der Nahrungssuche verbringen müssen, desto sicherer leben die Rebhühner. Bei Schneelage kann also eine Fütterung die Überlebenschance verbessern.

In England gehören Fütterungen zum „Schutzpaket“ für Rebhühner. Da sie dort mit einer intensiven Prädatorenkontrolle durch einen Berufsjäger kombiniert werden, sind sie weniger problematisch als bei uns. Hat man diese Prädatorenkontrolle nicht mit im Paket, ist ein Umdenken erforderlich, denn Fütterungen ziehen auch Feinde an: Ratten, Wildschweine und Dachse sind Gelegeräuber. Auch Mäuse sind meist in großer Zahl an den Fütterungen anzutreffen und in deren Gefolge dann Füchse, Wiesel und Katzen. Der Game and Wildlife Conservation Trust (GWCT 2020) gibt wichtige Regeln für das Füttern an: Die Aktivitäten an der Fütterung sollten mit einer Wildkamera überwacht werden. Zusätzlich muss die Fütterung wöchentlich umgestellt werden, um zu vermeiden, dass sie zu viele Mäuse und Ratten anzieht. Ratten vermeidet man, indem man die Fütterung auf dem freien Feld aufstellt und nicht an einer Deckung. In England werden Fütterungen mit Tunnelfallen kombiniert: die Fallen sind in einem Hohlraum in der Erde, wodurch vor allem Ratten gefangen werden.

Das Füttern kann also sehr problematisch sein und muss gut abgewogen werden.

Es gibt sogar Versuche, das Überleben von Rebhuhnküken durch Fütterungen mit eiweißreichem Kükenfutter zu verbessern (MASLO 2015), was im beschriebenen Fall wirksam war. Das können wir aber nur als akute Notmaßnahme ansehen, denn mit dem Rebhuhn sollen ja auch seine Lebensräume geschützt werden.


Literatur
GWCT (abgerufen 2020): https://www.gwct.org.uk/game/research/species/grey-partridge/winter-hopper-feeder-study/.

MASLO, A. (2015): Rebhühner richtig füttern. Wild und Hund, 9:16 – 21.

OKO, Z. (1963): Studies on the food of adult partridges in the Poznan provinces in a year cycle 1960-1961.Poznaskie Towarz. Przyj.Nauk. 14: 39-96.

ORLOWSKI, G., CZARNECKA, J. and M. PANEK (2011): Autumn-winter diet of Grey Partridges Perdix perdix in winter crops, stubble fields and fallows. Bird study, 58:4, 473-486.

SIRIWARDENA, G.M., STEVENS, D.K., ANDERSON, G.Q.A., VICKERY, J.A., CALBRADE, N.A., DODD, S., 2007: The effect of supplementary winter seed food on breeding populations of farmland birds: evidence from two large scale experiments. Journal of Applied Ecology, 44: 920–932.

 
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